4. Vorschläge entwickeln

Intention

Erste Vorschläge entwickeln und die Einholung von Feedback vorbereiten

Gewünschte Ergebnisse
  • Vertrauen in die iterative Ausarbeitung von Vorschlägen
  • Erste Vorschläge der einzelnen AGs
  • Kohärenter Vorschlag der TG, der in einem vorbereiteten Template festgehalten wird
Methoden
Materialien
Rollen

Facilitator*in, Protokollant*in (AG), Proposal Owner (AG), Topic Coherer (TG), Connection Spotter (TG)

Zeit

100 Minuten

Konvergieren ThemengruppeArbeitsgruppe Voll adaptierbar

Überblick

In diesem Schritt wird es konkret: Die Arbeitsgruppen entwickeln erste Vorschläge auf Basis des interpretierten Feedbacks. Dabei führen wir wichtige neue Rollen ein — Proposal Owner, Topic Coherer und Connection Spotter —, die die Qualität und Kohärenz der Ergebnisse sicherstellen.

Der Schritt folgt einem iterativen Muster: Vorschläge entwickeln, Feedback einholen, Feedback integrieren, zusammenführen. Dieses Muster ist das Herzstück der Konvergenzmaschine.

Agenda

Anweisungen (TG) [10 Minuten]

  • Gib einen Überblick über die Sitzung, indem du Absicht und gewünschte Ergebnisse vorstellst
  • Beziehe dich auf die letzte Sitzung
  • Führe die neuen Rollen ein:
    • Proposal Owner: Vertritt seine/ihre AG auf der Ebene der TG und verfolgt, wie der Vorschlag der AG dort weiterverarbeitet wird
    • Topic Coherer: Stellt sicher, dass die Vorschläge der AGs zu einem kohärenten Vorschlag der TG werden; vertritt die TG im Plenum
    • Connection Spotter: Nutzt Plenar-Sessions, um Verbindungen zwischen der Arbeit der eigenen TG und der anderer TG zu erkennen, und meldet diese zurück
  • Beschreibe die einzelnen Schritte dieser Sitzung
  • Erkläre die Verwendung der Templates:
    • AG-Templates werden in den AGs verwendet
    • Das TG-Template wird am Ende der Session verwendet, um die AG-Templates zusammenzuführen

Erste Vorschläge entwickeln (AG) [25 Minuten]

  • Unterstütze AG-Mitglieder bei der Entwicklung von Vorschlägen (ein Vorschlag pro Haftnotiz) auf der Grundlage der vorherigen Diskussion
  • Der/die Protokollant*in trägt sie auf großen Haftnotizen in das Template ein:
    • Idealerweise max. ein Vorschlag pro Frage
    • Nur 1-2 Sätze pro Vorschlag
    • Beginne mit “Anerkennung”
  • Die Mitglieder der AG bestimmen einen Proposal Owner, der ihre Vorschläge im nächsten Schritt der TG vorstellt

Feedback zu Vorschlagsentwürfen (TG) [25 Minuten]

  • Die Proposal Owner teilen die Vorschläge der AGs und erhalten Feedback von den anderen AGs
  • Protokollant*innen machen Notizen
  • Keine Diskussion! Die Integration von Feedback ist die “Antwort” der AG

Feedback integrieren (AG) [15 Minuten]

  • Schick die Teilnehmenden zurück in die AGs, um ihre Vorschläge auf der Grundlage des Feedbacks zu überarbeiten

Vorschläge zusammenführen und für Plenum vorbereiten (TG) [25 Minuten]

  • Lass die TG einen Topic Coherer bestimmen
  • Lass die TG einen Connection Spotter bestimmen
  • Hilf den Proposal Owners aus jeder AG und dem Topic Coherer dabei:
    • Die AG-Templates um das noch leere TG-Template zu versammeln
    • Die Vorschläge der AGs durchzugehen
    • Nach Duplikaten zu suchen und diese zusammenzuführen
    • Widersprüche zu prüfen und aufzulösen (oder zumindest zu markieren)
    • Jedes diskutierte Ergebnis in das TG-Template zu übertragen

Durchführung

  • Zeitdruck managen: Diese Sitzung ist zeitlich eng begrenzt. Stelle sicher, dass straff facilitiert wird. Nutze Timer für Präsentationen und Feedback.
  • Beginne mit Anerkennung: Klingt wie ein Detail, aber setzt den Ton. Wenn Gruppen ihr Feedback damit beginnen, was sie am bestehenden Entwurf schätzen, entsteht eine andere Dynamik als wenn sie direkt mit Kritik einsteigen.
  • Keine Diskussion beim Einholen des Feedbacks: Das ist eine der wichtigsten Regeln. Wenn die Proposal Owner Feedback erhalten, ist die richtige Antwort nicht eine Verteidigungsrede, sondern die Integration des Feedbacks in der nächsten AG-Phase. Das erfordert Disziplin und klares Facilitieren.
  • Template als Begrenzung nutzen: Das Template hat physische Grenzen (z.B. Platz für nur drei Haftnotizen pro Kategorie). Diese Begrenzung ist gewollt — sie zwingt die Gruppen, zu priorisieren und sich kurz zu fassen.
  • Rollen klar erklären: Die neuen Rollen (Proposal Owner, Topic Coherer, Connection Spotter) sind zentral für den weiteren Prozess. Nimm dir die Zeit, sie gut zu erklären.
  • Zusammenführung begleiten: Die Phase der Zusammenführung zum TG-Template ist anspruchsvoll. Sei als Facilitator*in aktiv dabei, hilf bei Duplikaten und Widersprüchen, und achte darauf, dass alle AG-Perspektiven fair berücksichtigt werden.

Rollen

  • Facilitator*in: Diese Sitzung erfordert straffe Facilitation. Nutze Timer, halte die Phasen ein, und sorge dafür, dass die “Keine Diskussion”-Regel beim Feedback eingehalten wird.
  • Protokollant*in (AG): Eine*r pro AG. Erfasst die Vorschläge auf Haftnotizen (eine Haftnotiz pro Vorschlag). Schreibt leserlich und hält sich an die Formatvorgaben.
  • Proposal Owner (AG): Eine*r pro AG. (Re)präsentiert die Ergebnisse der AG in der TG. Nimmt Feedback entgegen, ohne zu diskutieren.
  • Topic Coherer (TG): Eine*r pro TG. Stellt sicher, dass es Kohärenz auf der Ebene des Themas gibt. Beantwortet Fragen der anderen TG in den Feedback-Sitzungen im Plenum. Wird Teil des Kohärenzteams in der Phase “Vorschläge fertigstellen”.
  • Connection Spotter (TG): Eine*r pro TG. Sucht nach Verbindungen und Widersprüchen zwischen Themen. Wird Teil des Kohärenzteams in der Phase “Vorschläge fertigstellen”.

Online-Anpassung

Dieser Schritt ist vollständig online adaptierbar — das Schreiben von Vorschlägen in kollaborativen Dokumenten ist sogar ein natürliches Online-Format:

  • Kollaboratives Schreiben: Etherpad eignet sich hervorragend für das Entwickeln und Überarbeiten von Vorschlägen. Klare Änderungspfade, gleichberechtigte Teilhabe am Schreiben (nicht nur am Sprechen).
  • TG/AG-Struktur: Breakout-Räume für die AG-Phasen, Hauptraum für die TG-Phasen.
  • Herausforderung: Mehrere gleichzeitige Bearbeitende können chaotisch werden.
  • Lösung: Weise klare Rollen zu — eine Person tippt (Protokollant*in), die anderen diskutieren mündlich oder nutzen den Kommentarmodus.
  • Templates digital: Nutze ein digitales Whiteboard wie Excalidraw, um die Templates visuell abzubilden, oder strukturiere Etherpads mit den gleichen Kategorien.
  • Feedback-Runde digital: Nutze eine strukturierte Runde im Videocall, bei der jede*r Proposal Owner den Bildschirm teilt und die anderen ihre Kommentare in ein geteiltes Dokument schreiben.

Ohne initialen Entwurf

Wenn ihr ohne bestehenden Entwurf arbeitet, wird dieser Schritt zum primären generativen Schritt:

  • Die Arbeitsgruppen entwickeln Vorschläge aus den Themen, die in Schritt 3 identifiziert wurden, statt Aspekte eines bestehenden Vorschlags zu verfeinern
  • Die Templates müssen angepasst werden, um Vorschläge aufzunehmen, die bei null beginnen:
    • “Was ist das Problem?”
    • “Was schlagen wir vor?”
    • “Warum ist das wichtig?”
  • Der Fokus verschiebt sich von “Verbesserung” zu “Gestaltung” — das erfordert mehr kreative Energie und ggf. etwas mehr Zeit

Fallstudie: WMS24

Nach dieser Session hatte jede TG ein ausgefülltes Template. Wir verwendeten Templates im A0-Format und Haftnotizen im A5-Format.

Physische Begrenzung als Designelement: Das Template hatte nur Platz für drei Haftnotizen pro Kategorie (d.h. “Anerkennung”, “Verbesserungen”, “Dealbreaker”, “Weitergehende Ideen”). So waren die Arbeitsgruppen aufgrund der physischen Beschränkungen des Templates gezwungen, ihre Vorschläge kurz zu fassen oder die wichtigsten auszuwählen. Diese bewusste Beschränkung erwies sich als sehr effektiv.

Feedback-Bereich: Der Template-Bereich “Feedback” bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, im nächsten Plenum (Gallery Walk II) Feedback zu geben.

Die erfolgreiche Fertigstellung aller TG-Templates war ein wichtiger Meilenstein: Es zeigte, dass der Prozess wie vorgesehen funktionierte und die Konvergenzmaschine ihre Arbeit tat.