Überblick
In diesem Schritt generierst du breites, vielfältiges Feedback zum ursprünglichen Entwurf. Die Teilnehmenden lesen die als Poster aufbereiteten Inhalte des Entwurfs und geben ihr Feedback auf farbcodierten Haftnotizen ab. Das Format des Gallery Walk ermöglicht es allen Teilnehmenden, sich frei zu bewegen, in ihrem eigenen Tempo zu lesen und individuell zu reagieren.
Dieser Schritt ist bewusst divergent angelegt: Es geht darum, ein möglichst breites Spektrum an Perspektiven einzufangen — nicht darum, sich zu einigen.
Agenda
Anleitung [10 Minuten]
- Bitte die Autor*innen des ursprünglichen Entwurfs aufzustehen und eine Runde Applaus zu erhalten — das zeigt Wertschätzung für ihre Arbeit
- Führe das Format Gallery Walk ein
- Erkläre, wie man nützliches Feedback gibt. Stelle verschiedene Arten von Feedback vor:
- Anerkennung: Was schätzt du an diesem Entwurf?
- Verbesserung: Was könnte an dem Entwurf verbessert werden?
- Dealbreaker: Was würde dich davon abhalten, den Entwurf zu ratifizieren?
- Weitergehende Ideen: Hast du Ideen, die über den Rahmen des Entwurfs hinausgehen?
- Erkläre, wie man Haftnotizen verwendet:
- Wie sieht eine gut geschriebene Haftnotiz aus?
- Informiere die Teilnehmenden über die maximale Anzahl von Haftnotizen pro Person
- Verteile Haftnotizen mit unterschiedlichen Farben für die verschiedenen Arten von Feedback
Rundgang und Feedback [30 Minuten]
- Teilnehmende lesen die aus dem ursprünglichen Entwurf abgeleiteten Poster
- Teilnehmende kleben Haftnotizen mit Feedback neben die Poster, auf die sich das Feedback bezieht
- Informiere die Teilnehmenden, wenn die Hälfte der Zeit vergangen ist
Wrap-up [5 Minuten]
- Bitte die Teilnehmenden, ihr Feedback abzuschließen und sich zur nächsten Session zu bewegen
Durchführung
- Feedback-Kategorien sichtbar machen: Stelle sicher, dass die vier Feedback-Kategorien (Anerkennung, Verbesserung, Dealbreaker, Weitergehende Ideen) klar sichtbar sind — sowohl auf den Postern als auch als Legende im Raum.
- Farbcodierung konsequent nutzen: Jede Feedback-Kategorie bekommt eine eigene Farbe. Das erleichtert das spätere Clustering und die Interpretation erheblich.
- Gute Haftnotizen vorleben: Zeige Beispiele für gut und schlecht geschriebene Haftnotizen. Ein Vorschlag pro Notiz, leserlich geschrieben, kurz und konkret.
- Halbzeit-Signal: Informiere die Teilnehmenden aktiv, wenn die Hälfte der Zeit vergangen ist — das hilft ihnen, ihre Zeit einzuteilen.
- Logistik vorbereiten: Stelle sicher, dass genug Filzstifte und Haftnotizen vorhanden sind und das Logistik-Team sie aktiv verteilt.
- Anerkennung einweben: Dass “Anerkennung” eine der vier Kategorien ist, verhindert eine rein kritische Atmosphäre und fördert eine konstruktive Grundhaltung.
Rollen
- MC: Führt die Teilnehmenden durch diesen Teil des Prozesses. Gibt die Anleitung, erklärt die Feedback-Kategorien und hält die Zeit.
- Logistik-Team: Verteilt Haftnotizen und Filzstifte an die Teilnehmenden. Sorgt dafür, dass genug Material verfügbar ist und die Poster gut zugänglich sind.
Online-Anpassung
Dieser Schritt ist vollständig online adaptierbar — tatsächlich bietet die digitale Variante einige Vorteile:
- Digitales Whiteboard: Nutze ein digitales Whiteboard wie Excalidraw mit farbcodierten Haftnotizen in strukturierten Zonen, die den physischen Gallery Walk ersetzen.
- Vorteile digital: Alle Notizen sind gleichzeitig sichtbar, automatisches Clustering ist möglich, und die Dokumentation ist direkt integriert.
- Herausforderung: Die explorative, organische Qualität des Umhergehens geht verloren.
- Lösung: Plane eine Phase des “stillen Browsens” ein, bevor eine geführte Diskussion folgt. Gib den Teilnehmenden 10-15 Minuten, um sich eigenständig durch die digitalen Poster zu bewegen und Haftnotizen zu platzieren.
- Technischer Tipp: Bereite das digitale Board vorab mit den richtigen Zonen und Farben vor. Teste die Bedienung mit dem Facilitation-Team.
Ohne initialen Entwurf
Wenn ihr ohne einen bestehenden Entwurf arbeitet, wird dieser Schritt zu “Perspektiven sammeln”:
- Statt Poster mit Entwurfsinhalten bereitest du Poster mit offenen Fragestellungen oder Impulsen vor
- Die Feedback-Kategorien verschieben sich von “Anerkennung / Verbesserung / Dealbreaker / Weitergehende Ideen” zu offeneren Formaten wie:
- Hoffnungen: Was wünschst du dir?
- Bedenken: Was bereitet dir Sorgen?
- Ideen: Welche Ansätze siehst du?
- Fragen: Was müssen wir noch klären?
- Das Poster-Template wird entsprechend angepasst
Fallstudie: WMS24
Auf dem WMS24 begannen wir mit der Bewegungs-Charta als initialem Entwurf. Dieses Dokument wurde in acht Themen aufgeteilt.
Wir nutzten einen Gallery Walk, um von den Teilnehmenden Feedback zum Charta-Entwurf einzuholen. Dafür wurden acht A0-Pinnwände mit den acht Themen der Charta bereitgestellt, auf denen die Teilnehmenden mit Hilfe von Haftnotizen Feedback abgeben konnten.
Umgang mit Bedenken der Stakeholder: Einige Stakeholder waren besorgt, dass die Teilnehmenden den ursprünglichen Vorschlag vehement kritisieren würden, was zu einer negativen und kontroversen Atmosphäre geführt hätte. Neben dem Framing, das der MC im Plenum vorgab, haben wir Dankbarkeit und Anerkennung in alle Schritte des Prozesses eingeflochten, indem wir “Anerkennung” zu einer der vier Kategorien machten, in denen die Teilnehmenden Feedback geben konnten. Diese bewusste Entscheidung hat maßgeblich zu einer konstruktiven Atmosphäre beigetragen.