Überblick
In diesem Schritt verlassen Teilnehmende ihre angestammte Themengruppe und besuchen eine andere TG. Dadurch entsteht ein direkter Austausch zwischen den Gruppen: Neuankömmlinge bringen frische Perspektiven ein, und gemeinsam werden Synergien, Widersprüche und Redundanzen zwischen den Vorschlägen verschiedener Gruppen sichtbar gemacht. Das ist ein entscheidender Moment im Prozess — hier wird aus paralleler Arbeit ein vernetztes Ganzes.
Agenda
Anweisungen (TG) — 10 Minuten
- Begrüße die Neuankömmlinge aus anderen Themengruppen
- Erkläre kurz, woran deine TG gearbeitet hat
- Stelle sicher, dass sich alle willkommen fühlen
Feedback sammeln (TG) — 20 Minuten
- Rekapituliere das Feedback aus der vorherigen Sitzung
- Lade Neuankömmlinge ein, zusätzliches Feedback zu geben
- Lade den Connection Spotter ein, Verbindungen und Widersprüche aufzuzeigen
- Sammle zusätzliche Informationen auf Haftnotizen und platziere sie neben dem Vorschlag, auf den sie sich beziehen
- Weise alle Haftnotizen den bestehenden AGs zu, die von den Proposal Owners vertreten werden
- Schicke die Teilnehmenden in AGs und lass die Neuankömmlinge entscheiden, welcher Gruppe sie beitreten möchten
Feedback diskutieren (AG) — 30 Minuten
- Protokollant*in liest Feedback von Haftnotizen vor
- AG erörtert Feedback:
- Neulinge vertreten ihre Perspektive
- AG hört sich die Perspektiven der Neuankömmlinge an und diskutiert sie mit ihnen
- Keine Notwendigkeit für Konvergenz oder Einigung — es werden zu diesem Zeitpunkt keine Entscheidungen getroffen, die Verantwortung bleibt bei der ursprünglichen AG
- Protokollant*in macht Notizen über die Diskussion
Erkenntnisse destillieren (AG) — 10 Minuten
- Topic Owner leitet eine kurze Übung an, um wichtige Erkenntnisse zu gewinnen
- Leitfragen:
- Worüber haben wir die meiste Zeit in der Diskussion gesprochen?
- Welche konkreten Vorschläge oder Wünsche wurden geäußert?
- Worauf hat sich die Gruppe bereits verständigt oder geeinigt?
- Protokollant*in listet die vorgeschlagenen Änderungen an den ursprünglichen Vorschlägen auf Flipchart-Papier auf
Rückkehr zur ursprünglichen TG — während der Pause
- Neuankömmlinge kehren für die nächste Session in ihre ursprüngliche TG zurück
Durchführung
Dieser Schritt lebt von der Energie des Perspektivwechsels. Als Facilitator*in achte darauf, dass die Neuankömmlinge wirklich Raum bekommen, ihre Perspektive einzubringen — sowohl auf Ebene der TG als auch in den einzelnen AGs.
Wichtig: In der AG-Diskussion geht es nicht um Einigung oder Konvergenz. Die Neuankömmlinge bringen Input, den die ursprüngliche AG später eigenverantwortlich verarbeiten wird. Dieser Freiraum nimmt den Druck raus und ermöglicht offenere Gespräche.
Die Phase “Erkenntnisse destillieren” ist kurz, aber wichtig. Stelle sicher, dass der Topic Owner die Leitfragen klar stellt und die Protokollant*in die vorgeschlagenen Änderungen sichtbar festhält.
Rollen
- Facilitator*in: Begrüßt Neuankömmlinge und unterstützt sie dabei, ihre Perspektiven einzubringen, entweder auf Ebene der TG oder in einer bestimmten AG
- Protokollant*in (AG): Liest Feedback von Haftnotizen vor und macht während der Diskussion Notizen
- Neuankömmlinge: Tauschen ihre Gedanken mit der TG aus, die sie besuchen, und weisen auf Spannungen mit den Inhalten in ihrer eigenen TG hin
Online-Anpassung
Dieser Schritt ist online teilweise adaptierbar. Der Ideenaustausch lässt sich durch Breakout-Raum-Rotationen umsetzen: Teilnehmende bekommen vorab eine “Heimat-TG” und eine “Besuchs-TG” zugewiesen und wechseln zum richtigen Zeitpunkt die Räume.
Was online schwieriger wird, ist die Spontaneität der physischen Bewegung zwischen Räumen. Um das auszugleichen, gibt es zwei Ansätze:
- Räumliche Video-Tools wie WorkAdventure ermöglichen ein verkörpertes Navigieren zwischen Gruppen
- Asynchrone Variante: TG-Zusammenfassungen als kurze Videos aufnehmen und anderen Gruppen zum Kommentieren über 24 Stunden zur Verfügung stellen
Achte bei der Online-Variante besonders darauf, dass Neuankömmlinge in den Breakout-Räumen aktiv begrüßt und eingebunden werden — das passiert online nicht von allein.
Ohne initialen Entwurf
Dieser Schritt funktioniert identisch, egal ob mit oder ohne Ausgangsvorlage. Der Austausch emergenter Ideen ist genauso wichtig wie bei der Arbeit mit einer bestehenden Vorlage — vielleicht sogar noch wichtiger, weil die Gruppen ohne gemeinsamen Ausgangspunkt stärker voneinander profitieren können.
Fallstudie: WMS24
Auf dem Wikimedia Strategy Meeting 2024 war dieser Schritt ein Schlüsselmoment: Zum ersten Mal sahen die Teilnehmenden, woran die anderen Themengruppen gearbeitet hatten. Die Neuankömmlinge brachten frischen Wind in die Diskussionen und deckten Überschneidungen zwischen den Gruppen auf, die sonst unentdeckt geblieben wären.
Die Rückkehr zur ursprünglichen TG fand während der Pause statt, was einen natürlichen Übergang ermöglichte.